Zecken unter der Lupe – Prognosen für Deutschland und das Ausland

Der historische Höchststand bei den FSME-Infektionen korreliert mit der hohen Zahl an Zecken, die im vergangenen Jahr wohl optimale klimatische Bedingungen für ihre Vermehrung vorfanden. Bereits in der Zeckenprognose der Veterinärmedizinischen Universität Wien vom Februar 2018 war dies für Süddeutschland vorhergesagt worden. Für das Jahr 2019 erwarten die Wiener Experten weniger Zecken. „Ob in der Folge die FSME-Zahlen sinken, bleibt abzuwarten. Nicht der Mensch, sondern Mäuse sind der Hauptwirt für FSME-Viren“, erklärt Monazahian. In das Wiener Vorhersagemodell fließen aber nicht nur Angaben über die gezählten Zeckennymphen, den Haupt-FSME-Überträgern, ein. „Wenn in einem Jahr die Buchen viele Früchte tragen, kommt es im Folgejahr zu einem Anstieg der Mauspopulation und im darauffolgenden zu einem Anstieg bei den Zeckennymphen“, erläutert Rubel. Er erwarte das nächste Rekordjahr für Zecken 2020. „Durch die forstwirtschaftliche Umgestaltung unserer Wälder sowie die Klimaveränderungen ist langfristig mit einer höheren Zeckenbelastung zu rechnen“, so Rubel.

Die Experten weisen darauf hin, dass FSME-Infektionen nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen angrenzenden Ländern bis hin zum fernen Osten ein Problem darstellen. So hat das RKI eine Impfempfehlung bei möglicher Zeckenexposition auf Reisen in FSME-Risikogebiete außerhalb Deutschlands ausgesprochen. Neben dem europäischen FSME-Virussubtyp überwiegen im Baltikum, an der finnischen Küste sowie im asiatischen Raum sibirische und fernöstliche FSME-Virussubtypen – eine Infektion mit ihnen geht mit einer höheren Morbidität und Mortalität einher. „Diese Virustypen werden zunehmend von Ost nach West verschleppt, vermutlich durch Vögel“, sagt Monazahian. FSME-IMMUN hat in Studien eine kreuzprotektive Wirkung gegen alle drei FSME-Virussubtypen gezeigt.

Neues Risikobewusstsein erforderlich

„FSME, das heißt Frühsommer-Meningoenzephalitis, ist heute eigentlich ein falscher Begriff – die Krankheit kann entsprechend der Aktivität der Zecken auch zu anderen Jahreszeiten übertragen werden“, erklärt Dr. med. Olaf Leschnik, Chefarzt der Neurologie am Sächsischen Krankenhaus Rodewisch. Er weist auf die Besonderheiten des biphasischen Krankheitsverlaufs der FSME-Infektion hin, der in Phase 1 durch unspezifische grippeähnliche Symptome gekennzeichnet sei und sich erst in Phase 2 durch eine Meningitis-Symptomatik manifestiere. „Im Vogtland haben wir uns mit dem Thema FSME intensiv auseinandergesetzt, als unser Landkreis zum Risikogebiet erklärt wurde. Inzwischen haben wir so viel Know-how gesammelt, dass wir überregional Anfragen zum Krankheitsbild erhalten. Vielerorts muss jedoch erst noch ein stärkeres Bewusstsein für das Krankheitsbild geschaffen werden“, resümierte Leschnik.

Quelle: Aktuelle Presseinformation von Pfizer.

Zurück